21. November 2025 | 15:13 Uhr
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Wie der Loro-Parque-Chef auf die Meeressäuger-Haltung blickt

Der Vizepräsident der Loro Parque Group, Christoph Kiessling, reagiert im Reise-vor9-Podcast entschieden auf die Entscheidung der Dertour Group, den Zoo wegen der Haltung von Meeressäugern aus dem Programm zu nehmen. Die Auslistung nach 45 Jahren Zusammenarbeit habe ihn überrascht.

Loro Parque Orca

Orca-Dame Morgan wurde aus dem Wattenmeer in den Loro Parque gebracht

Der Vizepräsident der Loro Parque Group zeigt sich überrascht über die Entscheidung der Dertour Group, den Zoo auf Teneriffa wegen der Haltung von Orcas und Delfinen aus dem Programm zu nehmen. Nach seinen Angaben wurde der Park ohne vorheriges Gespräch einseitig über den Schritt informiert. Nach 45 Jahren Zusammenarbeit sei dies "wahnsinnig überraschend" gewesen.

Verweis auf Zertifizierungen

Kiessling betont die internationale Anerkennung des Parks. Loro Parque sei von Verbänden wie der World Association of Zoos and Aquariums als nachhaltiger Zoo ausgezeichnet worden. Das Tierwohl sei umfassend zertifiziert. Wenn Reiseveranstalter diese Grundlage infrage stellten, sei das "besonders traurig".

Er kritisiert zudem, dass die Debatte häufig pauschal geführt werde. Entscheidend sei nicht der Begriff "artgerecht", sondern "bedürfnisgerecht". In Menschenobhut habe man Einfluss auf Wasserqualität, Ernährung und medizinische Versorgung. Gleichzeitig verweist Kiessling auf Gefahren in der Natur – etwa Schiffsverkehr, Meereslärm, Plastikverschmutzung und Beifang.

Herkunft der Tiere

Im Park leben vier Orcas und acht Delfine. Eine Orca-Dame namens Morgan stammt aus dem Wattenmeer, wo sie als geschwächtes Jungtier gefunden und von Fachleuten aufgepäppelt wurde. Eine Auswilderung sei nach Einschätzung aller Experten nicht möglich gewesen, sagt Kiessling. Die niederländische Regierung habe den Loro Parque als geeignetsten Ort für ihre dauerhafte Unterbringung benannt. Morgan brachte vor wenigen Monaten ein Jungtier zur Welt.

Die Delfingruppe stammt laut Kiessling bereits aus mehreren Generationen in Menschenobhut. Die Tiere erreichten Lebensalter wie in der Natur oder darüber hinaus, unterstreicht der Sohn des Loro-Parque-Gründers Wolfgang Kiessling.

Kontroverse um Präsentationen

Kritik gibt es immer wieder an den Präsentationen der Meeressäuger. Kiessling lehnt den Begriff "Show" ab. Die Präsentationen seien eine Form der "mentalen Anreicherung" der Tiere. Diese würden nicht jeden Tag dieselben Abläufe zeigen, sondern mit wechselnden natürlichen Verhaltensweisen arbeiten. Bei der tauben Orca-Dame Morgan habe das Team sogar ein zusätzliches System aus Lichtsignalen entwickelt.

Kiessling sieht in den Präsentationen auch einen Bildungsauftrag. Digitale Alternativen könnten echte Begegnungen mit Tieren nicht ersetzen, unterstreicht er im Podcast.

Umgang mit Kritikern

Mit Tierschutzorganisationen sieht Kiessling nach eigener Aussage kaum konstruktiven Austausch. Einige Gruppen arbeiteten vor allem mit emotionalen Kampagnen. Er betont, dass der Park Tiere schütze, während Kritiker gelegentlich mit symbolischen Aktionen arbeiteten. Dialogbereitschaft bestehe von seiner Seite dennoch.

Trotz der anhaltenden Debatten spürt der Park laut Kiessling keinen Besucherrückgang. 2024 sei das erfolgreichste Jahr gewesen, und der Trend halte an. Besucher zeigten sich interessiert und stellten mehr Fragen als früher.

Forschung und Artenschutz

Ein Schwerpunkt des Parks ist die Arbeit der Loro Parque Stiftung. Rund 300 Artenschutzprojekte seien bislang unterstützt worden, so der Loro-Parque-Vize. Die Stiftung erforscht unter anderem seit 20 Jahren die iberischen Orcas in der Straße von Gibraltar und arbeitet im staatlichen Auftrag Spaniens.

Kiessling betont, dass Artenschutz nicht ohne Zusammenarbeit von Projekten in der Natur und in Menschenobhut funktioniere. Die Forschung im Park bilde eine Grundlage für Studien im Meer. Am Ende des Gesprächs verweist Kiessling auf Diskussionen über Meeresschutzgebiete für ehemalige Zootiere. Die Angebote dieser sogenannten Sanctuaries seien aus seiner Sicht oft nicht realisiert oder nicht funktionsfähig, kritisiert er.

Zunehmende Polarisierung

Unter dem Strich scheinen die Positionen von Tierschutzorganisationen wie Peta, Whale and Dolphin Conservation und Zoos wie Loro Parque unversöhnlich. Ein echter Austausch steht offenbar nicht auf der Agenda. Den Tieren, um die es in diesem Zusammenhang geht, nutzt die Sprachlosigkeit unter den Akteuren wohl am wenigsten. 

Christian Schmicke

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