6. August 2026 | 15:48 Uhr
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Nabu sieht Kreuzfahrt weiter auf "fossilem Kurs"

Der Naturschutzbund Nabu sieht die Kreuzfahrt trotz Fortschritten beim Landstrom weiter "auf fossilem Kurs". Schweröl und fossiles LNG dominierten, klimaneutrale Antriebe blieben die Ausnahme. Aida, TUI Cruises und MSC verweisen indes auf Bio-LNG, Landstrom und einen effizienteren Schiffsbetrieb.

Antarktis-Kreuzfahrt

Die aktuelle Analyse des Nabu bescheinigt Reedereien zwar Fortschritte, aber keinen Durchbruch

Der Nabu erkennt nach eigenen Angaben Investitionen in Landstromanschlüsse an. Die zentrale Aufgabe sei jedoch ungelöst: der Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen. Nach Erkenntnissen des Naturschutzbundes setzt die Mehrheit der Unternehmen weiterhin auf Schweröl. Auch Flüssigerdgas bewertet die Organisation lediglich als "vermeintliche Übergangslösung".

Investitionen in klimaneutrale Antriebe und strombasierte synthetische Kraftstoffe seien weiterhin selten. Dabei zeigten erste Konzepte für große vollelektrische Kreuzfahrtschiffe, dass Alternativen grundsätzlich umsetzbar seien.

Die Reedereien Havila und Hurtigruten führen das Nabu-Ranking wie in den vergangenen Jahren an. Doch auch die beiden norwegischen Anbieter seien weit von einer umweltfreundlichen Form des Reisens entfernt, sagt Nabu-Schifffahrtsexperte Sönke Diesener.

Aida setzt auf Bio-LNG und Datenauswertung

Der deutsche Marktführer Aida Cruises verweist dagegen auf den Ausbau von Landstrom, Biokraftstoffen und digitalem Energiemanagement. Für 2026 plant die Reederei rund 540 Landstromanläufe. Im Vorjahr waren es 440, 2024 noch 340. In 17 europäischen Häfen können die Aida-Schiffe nach Unternehmensangaben während der Liegezeit Landstrom beziehen, sofern die Anlagen verfügbar sind. Dies entspreche etwa der Hälfte aller Anläufe auf Nordeuropa-Reisen ab deutschen Häfen.

Für die Aida Nova bezog die Reederei 2025 nach eigenen Angaben mehr als 8.500 Tonnen zertifiziertes Bio-LNG. Zugleich bereite das Unternehmen gemeinsam mit Partnern den Einsatz von E-Fuels sowie Wasserstoff und erneuerbarem Ammoniak vor, heißt es. Als Hindernisse nennt Aida Cruises fehlende Produktionskapazitäten, eine geringe Verfügbarkeit in den Häfen, uneinheitliche Regeln und nicht marktfähige Preise. Die mit LNG betriebenen Schiffe seien technisch bereits auf weitere Bio- und E-Fuels vorbereitet.

Mit dem digitalen "Energy Optimization System" will Aida zudem den Energiebedarf senken. Das System verarbeitet unter anderem Wetterdaten, Maschinenmodelle und die Zahl der Gäste an Bord. Es unterstützt die Besatzungen bei der Steuerung der Energieströme und der Routenplanung.

TUI Cruises fährt Neubauten mit Bio-LNG

TUI Cruises verweist auf die beiden Schiffe Mein Schiff Relax und Mein Schiff Flow. Sie sollen in der laufenden Saison vollständig mit Bio-LNG fahren. Beide besitzen Dual-Fuel-Antriebe und können neben Flüssiggas auch Marinediesel nutzen.

Nach Angaben der Reederei wurden durch den Einsatz von Bio-LNG bis Juli 2026 rund 26.000 Tonnen CO2-Äquivalente gegenüber konventionellen Kraftstoffen eingespart. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen etwa 50.000 Tonnen.

Die Neubauten verfügen außerdem über Landstromanschlüsse. Die Hafenliegezeit macht laut TUI Cruises rund 40 Prozent der Betriebszeit aus. Mehr als 90 Prozent des bislang bezogenen Landstroms stammten aus erneuerbaren Quellen.

MSC meldet Fortschritte bei Kraftstoffen und Landstrom

MSC Cruises berichtet von einem jährlich aktualisierten und unabhängig geprüften Energiewendeplan. Dieser sehe bis 2050 eine Netto-Null-Bilanz der Treibhausgasemissionen im Schiffsbetrieb vor. Effizienzmaßnahmen bei Antrieb, Hotelbetrieb und Motorleistung hätten die Emissionen der bestehenden Flotte bereits deutlich gesenkt.

Fast 10.000 Tonnen zertifizierte erneuerbare Kraftstoffe hätten weitere 48.714 Tonnen CO2-Äquivalente vermieden, so die Reederei. Zudem wurden die Schiffe 2025 nach Unternehmensangaben 217-mal an Landstrom angeschlossen. Für 2026 strebt MSC mindestens 450 Anschlüsse an. Bis Jahresende sollen 22 der insgesamt 27 Schiffe landstromfähig sein.

Christian Schmicke