Warum die Bahnstrecke Hamburg – Berlin bis April dicht ist
Die Bahn hat mit der umfassenden Sanierung der Strecke zwischen Berlin und Hamburg begonnen. Die Verbindung ist bis Ende April 2026 komplett gesperrt. Fern- und Güterzüge fahren Umleitungen, im Regionalverkehr sind über 170 Ersatzbusse im Einsatz. Ziel ist eine stabilere, leistungsfähigere Infrastruktur.

Deutsche Bahn
Baufahrzeuge beim Start der Generalsanierung der Verbindung zwischen Hamburg und Berlin
Mit einer symbolischen Abschaltung der Oberleitungen hat die Deutsche Bahn am Donnerstag die Generalsanierung der Strecke zwischen Hamburg und Berlin gestartet. Der 278 Kilometer lange Korridor wird für neun Monate komplett gesperrt. Bis Ende April 2026 fahren Fern- und Güterzüge auf Umleitungsstrecken. Der Regionalverkehr wird mit Bussen auf 28 Linien ersetzt.
Ein Korridor im Ausnahmezustand
Die Strecke gilt als eine der wichtigsten Verbindungen im deutschen Schienennetz. Rund 470 Züge täglich nutzen den Abschnitt, darunter Fernverkehrszüge, Regionalbahnen und Güterzüge. Die Bahn spricht von einer "hochbelasteten Verbindung", deren Zustand eine grundlegende Erneuerung erforderlich mache.
Die Baumaßnahme ist Teil des Infrastrukturprogramms S3, mit dem die DB zentrale Korridore im Netz gebündelt sanieren will. Bereits im vergangenen Jahr war die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim auf ähnliche Weise modernisiert worden.
Umfassende Bauarbeiten an Gleisen und Technik
Während der Bauphase erneuert die Infrastruktur-Tocher DB Infra Go über 165 Kilometer Gleise und fast 250 Weichen. In zwei Abschnitten wird die bisherige feste Fahrbahn wieder durch Schotteroberbau ersetzt. Sechs neue Überleitstellen sollen künftig mehr Flexibilität ermöglichen, etwa wenn Personenzüge Güterzüge überholen müssen.
Auch die Leit- und Sicherungstechnik wird grundlegend modernisiert. Geplant sind sechs neue Stellwerke und die Aufrüstung von 19 weiteren Anlagen. Letztere sollen für den künftigen Einsatz des europäischen Zugsicherungssystems ETCS vorbereitet werden. Zudem werden rund fünf Kilometer Lärmschutzwände im Bereich Wohltorf/Aumühle saniert und neu gestaltet.
Herausforderung für Fahrgäste und Logistik
Die Vollsperrung bedeutet spürbare Einschränkungen für Pendler, Reisende und den Güterverkehr. Im Regionalverkehr sollen über 170 Busse den Zugverkehr ersetzen. In Berlin etwa werden die Ersatzbusse gezielt an die Lehrter Bahn angebunden, um Fahrzeiten zu verkürzen und den innerstädtischen Verkehr zu entlasten.
Auch in Hamburg wird das Ersatzkonzept an bestehende U- und S-Bahn-Anbindungen angepasst. Dort sollen zusätzliche Haltepunkte nahe der Landesgrenze einen besseren Übergang in den ÖPNV ermöglichen.
Politik fordert zuverlässige Umsetzung
Vertreter von Bund und Ländern begrüßen das Projekt grundsätzlich – fordern aber auch realistische Zeitpläne und belastbare Ersatzkonzepte. Ulrich Lange, Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium, betont: "Die Erwartungen an einen funktionierenden Umleitungs- und Ersatzverkehr sind zu Recht hoch."
Ähnlich äußern sich Landesvertreter aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Berlin. Sie fordern Koordination, Anpassungsfähigkeit und klare Kommunikation, um die Auswirkungen für Wirtschaft und Bevölkerung möglichst gering zu halten.
Investition in Stabilität und Zukunftsfähigkeit
Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB Infra Go, bezeichnet das Projekt als "Stabilitätsanker für einen zuverlässigen Eisenbahnverkehr". Die gebündelte Modernisierung solle helfen, die Bahn insgesamt wieder leistungsfähiger zu machen – auch wenn dies mit kurzfristigen Belastungen verbunden sei.
Die Bahn spricht von einem "Kraftakt", der sich langfristig auszahlen soll. Entscheidend wird sein, ob der ambitionierte Zeitplan gehalten und der angekündigte Qualitätsschub im Betrieb tatsächlich erreicht wird.
Christian Schmicke