24. April 2026 | 16:26 Uhr
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Ryanair halbiert Angebot am BER und schließt Basis

Ryanair will die Basis am Berliner Hauptstadtflughafen BER im Herbst schließen, sieben stationierte Flugzeuge abziehen und das Angebot im Winterflugplan halbieren. Das Passagieraufkommen in Berlin soll 2027 von 4,5 auf 2,2 Millionen sinken. Der Carrier begründet den Schritt mit hohen Standortkosten, der BER widerspricht der Darstellung geplanter Gebührenerhöhungen.

BER

Das Flugangebot am BER erhält zum Winter einen weiteren Dämpfer

Ryanair reduziert das Geschäft am Hauptstadtflughafen BER massiv. Die Airline kündigt an, die Berliner Basis zum 24. Oktober zu schließen, alle sieben dort stationierten Flugzeuge abzuziehen und das Flugangebot im Winterflugplan um 50 Prozent zu kürzen. Berlin bleibt zwar im Streckennetz, künftig aber nur noch mit Flugzeugen, die außerhalb Deutschlands stationiert sind. Wegfallen sollen unter anderem Verbindungen nach Bologna, Tallinn und Pisa. Größere Verbindungen wie die nach London sollen deutlich ausgedünnt werden.

Streit über Gebühren und Standortkosten

Die Fluggesellschaft begründet die Entscheidung mit zu hohen Kosten am Standort Berlin. Sie verweist auf seit der Pandemie um 50 Prozent gestiegene Flughafenentgelte und auf eine weitere Erhöhung um zehn Prozent im Zeitraum 2027 bis 2029. Zudem kritisiert das Unternehmen, wie schon seit längerem, die Luftverkehrsteuer und weitere staatliche Belastungen.

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg weist diese Darstellung zurück. Eine Erhöhung der Flughafenentgelte sei nicht vorgesehen, sagte ein Sprecher dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Geschäftsführung sei von der Ankündigung überrascht worden. Beide Seiten befänden sich derzeit noch in Verhandlungen über die Entgelte.

Sieben Flugzeuge gehen ins Ausland

Die sieben bislang in Berlin stationierten Maschinen sollen zu "günstigeren" Flughäfen in Ländern ohne Luftverkehrsteuer verlagert werden. Genannt werden in diesem Zusammenhang unter anderem Schweden, die Slowakei, Albanien und Italien.

Nach Angaben von Ryanair betrifft die Schließung rund 210 in Berlin lebende Piloten und Crewmitglieder. Ihnen sollen alternative Positionen innerhalb des europäischen Netzwerks angeboten werden. Unberührt von der Entscheidung bleibt nach Unternehmensangaben der Bau eines eigenen Wartungshangars am BER.

Ryanair sieht Deutschland im Nachteil

Airline-Chef Eddie Wilson verbindet den Berliner Rückzug, wie üblich, mit grundsätzlicher Kritik an den Rahmenbedingungen in Deutschland. Der deutsche Luftverkehr sei nicht wettbewerbsfähig, obwohl die Regierung das selbst einräume. Es fehle aber an einer klaren Strategie zur Senkung der Luftverkehrsteuer und überhöhter Flughafenentgelte.

Wilson warnt zudem vor weiteren Einschnitten in Deutschland. Ryanair habe seit 2019 bereits die Basen in Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart geschlossen sowie Flüge nach Dresden, Leipzig und Dortmund eingestellt. Während die Airline ihr europäisches Verkehrsaufkommen seit der Pandemie stark ausgebaut habe, verliere Deutschland wegen hoher Kosten und Steuern an Wettbewerbsfähigkeit.

Verdi spricht von profitorientierter Strategie

Scharfe Kritik kommt von der Gewerkschaft Verdi. Bundesfachgruppenleiter Dennis Dacke bezeichnet die angekündigte Schließung als rein profitorientierte Unternehmensstrategie. Beschäftigte würden wie eine beliebige Verfügungsmasse behandelt, während Standortentscheidungen an kurzfristigen Renditeinteressen ausgerichtet würden.

Besonders kritisch sieht Verdi den Umgang mit dem Betriebsrat. Nach Gewerkschaftsangaben wurde die Interessenvertretung vor Ort nicht einmal über die Schließung informiert. Verdi fordert nun konstruktive Verhandlungen über sozialverträgliche Lösungen für die rund 500 betroffenen Beschäftigten und verlangt unter anderem Sozialpläne sowie Angebote zur Weiterbeschäftigung innerhalb der Ryanair-Gruppe in Deutschland zu gleichwertigen Bedingungen.

BER kämpft weiter mit langsamer Erholung

Der Einschnitt trifft einen Flughafen, der sich von der Pandemie nur langsam erholt. Im vergangenen Jahr reisten rund 26 Millionen Fluggäste über den BER, gut zehn Millionen weniger als im Rekordjahr 2019.

Dass nun auch Ryanair die Basis schließt und das Angebot halbiert, verschärft den Druck auf den Standort weiter. Schon in den vergangenen Jahren hatten Ryanair, Easyjet und Wizz Air ihr Angebot in Deutschland und am BER reduziert.

Christian Schmicke

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