So stärkt Fair Job Hotels die Hoteliers als Arbeitgeber
Der Verein Fair Job Hotels bringt Hoteliers zusammen, die auf faire Arbeitsbedingungen und gute Führung setzen. Zum zehnjährigen Jubiläum zieht Geschäftsführerin Katharina Darisse (Foto) Bilanz und blickt im Gespräch mit Hotel vor9 in die Zukunft: "Wir wollen organisch und mit der richtigen Qualität weiterwachsen, denn wir möchten nur Betriebe bei uns haben, die das auch wirklich leben."
Eric Shambroom Photography
Fair Job Geschäftsführerin Katharina Darisse
Was heute 10.500 Mitarbeitende in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbindet, begann 2016 mit einem Brainstorming in der Villa Panna in der Toskana. 15 Hoteliers waren zum "Vision Circle" eingeladen, einem Format der Fachzeitschrift Top Hotel. Eigentlich sollte es um Zukunftsthemen gehen. Doch alle Anwesenden empfanden den akuten Fachkräftemangel als größte Herausforderung und waren sich einig, in diesem Handlungsfeld konkret tätig zu werden.
Kurz darauf gründeten sie am 13. Juni 2016 im Breidenbacher Hof den Verein Fair Job Hotels e.V. – zunächst als ehrenamtliche Initiative, getragen allein von dem privaten Engagement der Gründer. Heute ist der Verein auf 117 Partnerbetriebe angewachsen und verfügt über eine professionelle Struktur. Mit Katharina Darisse steht seit September 2023 eine hauptamtliche Geschäftsführerin samt kleinem Team an der Spitze.
Kein Siegel zum Kaufen, sondern ein Verein zum Mitmachen
Wichtig zu wissen: Fair Job Hotels verkauft keine Zertifikate oder Werbesiegel. Der Verein ist eine Gemeinschaft von Hoteliers für Hoteliers. Diese zahlen einen Jahresbeitrag zwischen 1.250 und 3.750 Euro und profitieren im Gegenzug von vielfältigen Leistungen rund um Arbeitnehmerzufriedenheit und HR.
Wer als Hotel beitreten will, durchläuft zunächst ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren. Auf fünf Bereiche kommt es an: Unternehmenskultur, Nachwuchsförderung, Gesundheit und Wellbeing, angemessene Vergütung sowie die Wirkungsmessung in der Personalabteilung. Nur Hotels, die hier bereits gut aufgestellt sind, werden aufgenommen. Ablehnungen stehen durchaus auf der Tagesordnung. "Unser Ziel war von Anfang an, die besten Arbeitgeber zusammenzubringen und dafür zu sorgen, dass sie die besten bleiben", erklärt Darisse.
Von der Mitarbeiterrate bis zur eigenen Academy
Die Vorteile einer Mitgliedschaft sind vielfältig. So gibt es eine netzwerkweite Mitarbeiterrate, auf die alle Angestellten eines Fair Job Hotels privat zugreifen können. Sämtliche Mitarbeitende der Partnerbetriebe nutzen außerdem kostenfrei ein Employee-Assistance-Programm über den Anbieter Voyo – mit über 3.000 Angeboten von Therapieplatzvermittlung bis Ernährungsberatung. Sieben eigene Veranstaltungen pro Jahr richten sich an Auszubildende, mittleres Management sowie HR-Verantwortliche und Geschäftsführung. Dazu kommen monatliche HR-Calls, die Fair Job Hotels Academy mit externen Trainern und Rahmenverträge mit Sonderkonditionen etwa bei Kununu.
Doch die Mitgliedschaft bringt auch Pflichten mit sich. So müssen die Partnerbetriebe ein Plakat im Personalbereich mit den Kontaktdaten eines unabhängigen Vermittlers aushängen, an den sich Mitarbeitende bei Beschwerden wenden können. Außerdem sind sie verpflichtet, die Marke Fair Job Hotels auf Karriereseiten und in Signaturen zu kommunizieren. Darisse betont in diesem Zusammenhang, dass die Partnerbetriebe auch nach außen Verantwortung tragen: "Wir erwarten, dass unsere Hotels die Mitgliedschaft kommunizieren, weil wir der Gesellschaft signalisieren wollen, dass die Hotellerie ein sehr guter Arbeitgeber ist." Gerade Hotelgäste mit Kindern im Berufseinstiegsalter sollten sehen, dass die Branche längst nicht mehr für schlechte Arbeitsbedingungen stehe, sondern attraktive Karrierewege biete.
Vom Acht-Personen-Betrieb bis zum Grandhotel
Das Netzwerk der Fair Job Hotels ist stark in der Individualhotellerie verankert, darunter namhafte Häuser wie der Breidenbacher Hof in Düsseldorf, das Vier Jahreszeiten in Hamburg und die Sonnenalp in Ofterschwang. Doch es sind nicht nur große Häuser dabei – der kleinste Betrieb hat gerade einmal acht Angestellte. Kettenhäuser bilden eher die Ausnahme, sind aber grundsätzlich willkommen. "Allerdings nur per Einzelaufnahme", betont Darisse. So gehören etwa das Hyatt Regency Düsseldorf und ein Dorint-Haus in Oberursel dazu. Besonderes Wachstumspotenzial für die Zukunft sieht die Geschäftsführerin bei Betrieben im Generationswechsel: Junge Hoteliers, die von ihren Eltern übernehmen, kämen verstärkt auf sie zu.
Info: Fair Job Hotels e.V. mit Sitz in Hamburg wurde 2016 gegründet. Ihm gehören 117 Hotels aller Kategorien und Größen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit insgesamt 10.500 Mitarbeitenden an. Hinzu kommen 24 Förderer aus der Zuliefererwirtschaft. Die Mitglieder verpflichten sich, die von Fair Job Hotels gesetzten Werte zu leben und zu fördern, darunter faire Arbeitsbedingungen, gerechte Bezahlung, Führung auf Augenhöhe, respektvoller Umgang und wertschätzende Kommunikation.
Pascal Brückmann