Revo Hospitality beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung
Die Bombe ist geplatzt. Am Freitag wurde bekannt, dass die Revo Hospitality Group, Europas größter White-Label-Hotel-Betreiber, Insolvenz in Eigenverwaltung für rund 140 Gesellschaften beantragt hat. Die Nachricht ist ein Beben für die deutsche Hospitality-Wirtschaft, kommt aber nicht völlig überraschend.
Revo Hospitality
Das Hyperion Hotel der H-Hotels gehört inzwischen zur Revo Hospitality. Revo hatte im Februar 2025 die H-Hotels-Gruppe gekauft
Nur wenige Tage nachdem Accor die Buchungssysteme für zahlreiche von Revo betriebene Hotels gesperrt hatte, Hotel vor9 hatte exklusiv berichtet, jetzt der große Paukenschlag: Wie das Unternehmen am 16. Januar 2026 mitteilte, wurden beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenzanträge in Eigenverwaltung gestellt. Der Betrieb der betroffenen rund 125 Hotels in Deutschland und Österreich wird mit allen rund 5.500 Mitarbeitern fortgeführt, heißt es in einer ersten Mitteilung.
Die Revo Hospitality Group, die bis 2025 unter dem Namen HR Group firmierte, zählt zu den größten Multibrand-Hotelbetreibern in Europa. Insgesamt werden von dem Unternehmen 250 Hotels in zwölf europäischen Ländern betrieben, mit einem Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro und rund 8.300 Beschäftigten. Doch das rasante Wachstum der vergangenen Jahre wurde zur Belastung: 2008 hatte die Gruppe mit einem einzelnen Hotel in Leipzig begonnen, 2020 waren es 51 Häuser. Danach folgte eine aggressive Expansion, die laut Unternehmensangaben zu Doppelstrukturen und Integrationsproblemen führte. Und zu Zahlungsproblemen. Hotel vor9 hatte darüber im September berichtet.
Sanierungsexperten übernehmen die Führung des Unternehmens
Die Akquisition der neuen Hotels war, logischerweise, mit erheblichen Kosten verbunden. Doch die Übernachtungszahlen steigen entgegen der Revo-Prognosen nicht wie erwartet und auch der geplante Umsatz für 2025 wurde nicht erreicht. Am Ende konnte die Liquiditätslücke nicht mehr aus eigener Kraft oder durch Kreditgeber geschlossen werden.
Für die Dauer der Eigenverwaltung wurden nun die Rechtsanwälte Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn von der Kanzlei GT Restructuring zu Geschäftsführern der betroffenen Gesellschaften bestellt. "Wir werden den Geschäftsbetrieb umgehend stabilisieren und erste Sanierungsmaßnahmen in Absprache mit den wesentlichen Stakeholdern umsetzen", erklärte Geiser laut einer Pressemitteilung. Bei der Agentur für Arbeit sei bereits eine Vorfinanzierung der Gehälter für Januar bis März 2026 beantragt worden.
Internationale Investoren sollen nun bei der Rettung des Unternehmens helfen
Geplant ist eine Umstrukturierung der Gruppe mit dem Ziel, internationale Investoren zu gewinnen. "Die Eigenverwaltung ermöglicht eine schnelle Stabilisierung und eine geordnete Überleitung auf einen Investor, ohne die zahlreichen Hotelbetriebe wesentlich einzuschränken", sagte de Bruyn. Das Interesse von Investoren dürfte sich mit Einleitung des Insolvenzverfahrens noch erhöhen. "Wir sind zuversichtlich, die wirtschaftlichen Probleme der betroffenen Gesellschaften der Revo Gruppe bis zum Sommer zügig zu lösen", so Rechtsanwalt Benedikt de Bruyn.
Doch der Schaden für die gesamte Branche ist immens. Bei einer üblichen Quote von rund 15 Prozent im Rahmen einer Insolvenz in Eigenverwaltung, dürften Lieferanten, Eigentümer und Geschäftspartner von Revo in Summe auf hohe Millionenbeträgen sitzen bleiben.
Pascal Brückmann