So lassen sich Afrika-Reisen besser verkaufen
"Afrika-Reisen sind beratungsintensiv – und genau darin liegt für Reisebüros eine Chance", sagt Astrid Cantauw (Foto) vom Veranstalter Severin Travel. Entscheidend seien Reisezeit, Einreise- und Gesundheitsfragen. Statt mehrere Länder und Nationalparks zu kombinieren, empfiehlt die Afrika-Spezialistin weniger Stationen und längere Aufenthalte.
Severin Travel
Vertriebsprofi Astrid Cantauw ist seit 25 Jahren bei Severin Travel, hier in Uganda
"Wer eine Afrika-Reise verkauft, sollte unabhängig vom gewünschten Ziel zunächst die Jahreszeiten und Tierwanderungen im Blick haben", sagt Astrid Cantauw im Gespräch mit Counter vor9. Sie ist seit 25 Jahren bei Afrika-Spezialist Severin Travel tätig, aktuell als Sales und Marketing Managerin, und hat einige generell geltende Tipps parat. So könnten etwa Regenzeiten Straßen unpassierbar machen, was natürlich ganze Reisepläne durcheinander bringe. Die Trockenzeit wiederum biete gute Möglichkeiten zur Tierbeobachtung, da sich die Populationen an den Wasserstellen einfänden.
Auch die Temperaturen würden häufig falsch eingeschätzt. In Kenia etwa habe sie zuletzt angenehme Temperaturen von unter 30 Grad erlebt, als das Thermometer hierzulande Richtung 40 Grad kletterte. "Zwischen Juli und Oktober ist die beste Zeit für Kenia", rät die Expertin.
Südafrikas Garden Route aktuell kühl
Während des europäischen Sommers kann es laut Cantauw in Teilen Afrikas vergleichsweise kühl sein. "Wenn ein Kunde die Garden Route in Südafrika in den Sommermonaten bereisen will, sollte er wissen, dass da momentan der afrikanische Winter ist. Eine Kollegin von mir arbeitet aktuell von dort, sie trägt morgens einen Pulli", erklärt Cantauw.
Lieber ein Land intensiv bereisen
Von Länderkombinationen rät Cantauw Einsteigern eher ab. Jedes Land biete genug für eine eigene Reise. Zudem können Kombinationen zusätzliche Anforderungen mit sich bringen. Wer etwa Kenia und Tansania verbinden will, muss laut Expertin eine Gelbfieberimpfung haben und Einreiseformalitäten für beide Länder erledigen.
Für erste Afrika-Reisen sieht sie Kenia auch preislich als gutes Einstiegsziel. Safari und Badeurlaub ließen sich dort gut verbinden. Eine entsprechende Reise mit einigen Safaritagen liege bei einem gewissen Standard etwa bei 3.000 Euro. Die optimale Reisedauer beginne bei zwölf Tagen und könne bis zu drei Wochen reichen.
"Nicht von Lodge zu Lodge hetzen"
Bei Safaris empfiehlt die Touristikerin, das Programm nicht zu dicht zu packen. Nach einem Nachtflug sollten Reisende beispielsweise nicht direkt zur ersten Pirschfahrt starten. Zwei oder drei Nächte in einer Lodge könnten sinnvoller sein als ein schneller Wechsel, auch zwischen den Parks.
Zusätzliche Erlebnisse müssten dabei nicht spektakulär sein. Cantauw nennt als Beispiele einen sogenannten Bush Lunch unter freiem Himmel, einen Spaziergang mit einem Massai auf Spurensuche oder einen Sundowner Drink, etwa mit Blick auf den Kilimandscharo. "Mein Grundsatz ist, lieber weniger Ziele bereisen und die Spots dafür intensiver erleben", sagt sie. Gerade wegen großer Entfernungen und teils schwieriger Straßenverhältnisse könne ein überladenes Programm schnell anstrengend werden.
Tansania liegt im Trend
Aktuell beobachte sie bei Severin Travel eine besonders hohe Nachfrage nach Tansania, so Cantauw. Bei Wiederholern gewinnen laut Afrika-Expertin zudem kleinere oder speziellere Ziele, wie Madagaskar, Ruanda, Uganda und Malawi, an Bedeutung. Auch besondere Reiseformen, wie Luxuszüge, seien zuletzt stärker gefragt gewesen.
Spezialwissen hilft im Verkauf
Eigene Reiseerfahrung in der Destination sei ein Vorteil, aber keine Voraussetzung. Auch Webinare, Schulungen und Inforeisen könnten Reisebüromitarbeitern Wissen für eine gute Beratung vermitteln. Severin Travel gehört zur Arbeitsgemeinschaft Südliches und Östliches Afrika und nimmt an deren Roadshows teil. Zudem legt der Veranstalter für Expis Pep-Specials und Famtrips auf.
Zehn Prozent Provision
Reisebüros könnten Anfragen direkt an den Veranstalter geben, Grundlage sei ein Agenturvertrag. Für jedes Ziel gibt es nach Unternehmensangaben mindestens eine Spezialistin. "Auf Wunsch berät Severin Travel auch den Kunden direkt, während das Reisebüro Ansprechpartner bleibt", sagt die Sales und Marketing Managerin. Die Provision beträgt bei Direktbuchungen zehn Prozent ab der ersten Buchung – unabhängig davon, wie viel Beratungsarbeit der Spezialveranstalter übernimmt. Für Fragen steht das Team bereit, auch per E-Mail, so Cantauw.
Sabine Schreiber-Berger
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