21-Jähriger entwickelt KI-Portal für Urlaubsreisen
Nico Neser (Foto) hat nach dem Fachabitur die KI-Reiseplattform Tripbot programmiert. Er sieht das Online-Portal perspektivisch nicht als Konkurrenz zum Reisebüro, da die Zielgruppen unterschiedlich seien, so der 21-Jährige. Das Interesse von Medien und Nutzern zum Launch sei groß gewesen. So groß, dass er die künstliche Intelligenz vom Netz nehmen musste.
Tripbot
Nico Neser reist für sein Leben gern, hier im mexikanischen Playa del Carmen
"Stundenlang Flüge, Hotels und Preise zu vergleichen, Tabellen anzulegen und am Ende trotzdem unsicher zu sein", so beschreibt Nico Neser seine Motivation, etwas "Eigenes" für die Reisesuche auf die Beine zu stellen. Denn Reisebüros, Veranstalter und OTAs seien allesamt nicht wirklich unabhängig bei der Suche, lautet Nesers Meinung. Und so suchte er für seine eigenen Reisen regelmäßig und zeitaufwändig günstige Angebote, trug infrage kommende Flüge und Unterkünfte in Excel-Listen zusammen.
Ein gewöhnlicher Chatbot habe ihm dabei nur begrenzt geholfen. "Die KI-Agenten, mit denen ich kommuniziert habe, konnten Ziele oder Produkte vorschlagen, aber keine aktuellen Verfügbarkeiten und Preise prüfen", so der Fachabiturient. Deshalb habe er vor rund einem Jahr begonnen, eine eigene Lösung zu programmieren. "Zielgruppe für Tripbot sind junge Leute, wie ich, die mit KI aufwachsen und eher nicht ins Reisebüro gehen. Die Tools sind rund um die Uhr verfügbar, arbeiten schneller und neutraler, nach den von mir oder den Nutzern angegebenen Wünschen", so Neser. Andere Reisende wiederum bräuchten mehr Unterstützung, die seien dann etwa am Counter deutlich besser aufgehoben.
Drei Vorschläge statt langer Trefferlisten
Tripbot verbindet laut Neser KI-Systeme mit realen Flug- und Hoteldaten, "zumindest wenn es dann wieder läuft, beziehungsweise freigeschaltet wird". Nutzer könnten auch mit einer offenen Anfrage starten, etwa nach einem Urlaub am Meer im August, mit Hund und Möglichkeiten zum Surfen. Die Plattform soll daraus ein geeignetes Ziel, einen Flug und wenige passende Unterkünfte ermitteln.
"Bei anderen Plattformen kriegt man auf seine Anfrage eine Liste von 300 Hotels, bei mir eine Vorauswahl von drei Hotels, wenn gewünscht", beschreibt Neser das Konzept. Die KI prüfe dabei Kriterien, Verfügbarkeit und Gästebewertungen. Neben Vorzügen solle sie auch mögliche Nachteile einer Unterkunft nennen, etwa nächtlichen Lärm durch eine zentrale Lage.
Über eine Schnittstelle greift Tripbot auf rund drei Millionen Hotels und Angebote zahlreicher Airlines zu. Die klassische Suche nach Flügen und Unterkünften sei bereits nutzbar. Buchbare Netto- und B2B-Raten versieht das Portal mit einem eigenen Aufschlag. "Die Provision wird bei zehn Prozent liegen", so der Tripbot-Gründer.
Medieninteresse treibt Kosten nach oben
Nach mehreren Presseberichten seien die Zugriffe sprunghaft gestiegen. Innerhalb von zwei Wochen besuchten laut Neser rund 6.000 Menschen die Seite, knapp 500 registrierten sich. Die durchschnittliche Verweildauer habe bei etwa sieben Minuten gelegen, so die erste Analyse des Nachwuchstouristikers.
Der Andrang brachte das aus eigenen Mitteln finanzierte Projekt jedoch an seine Grenzen. "Jede Anfrage an den KI-Berater kostet mich Geld. Innerhalb einer Stunde seien dadurch mehr als 100 Euro angefallen", so Neser. Viele Besucher probierten die Funktion lediglich aus, ohne anschließend eine Reise zu buchen und damit Einnahmen zu erzeugen.
Auch die Flugsuche wurde zeitweise eingeschränkt. Airlines begrenzen nach Angaben des Gründers über sogenannte "Look-to-Book-Raten", wie viele Suchanfragen auf eine Buchung entfallen dürfen. Tausende Abfragen innerhalb kurzer Zeit hätten zur Sperrung des Zugangs geführt.
Neustart soll kontrolliert erfolgen
Neser will die KI-Funktion in Kürze zunächst für ausgewählte Tester wieder freischalten. So möchte er ermitteln, welche Kosten ein einzelner Nutzer verursacht. Generell werde es ein Tageslimit für nicht angemeldete User geben. Registrierte Nutzer sollen ein begrenztes Kontingent erhalten. Und auch ein Premium-Abo zum Preis von 13 Euro im Monat ist vorgesehen, mit höherem Suchlimit.
"Beim KI-Chat ist die Anmeldung so wichtig, damit Informationen und Suchen gespeichert sowie Nutzungskosten begrenzt werden können", sagt er. Bislang programmiert, finanziert und betreibt Neser Tripbot allein. Er nimmt an einem Gründercoaching von Bayern Startup teil und sucht parallel Investoren, Sponsoren sowie personelle Unterstützung. Sein Ziel sei eine Plattform, die Kunden die Reiseplanung erleichtert und Hotels niedrigere Provisionen als andere Buchungsportale ermöglicht.
Sabine Schreiber-Berger
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